KKBK - Grundannahmen Teil 2

Theoretische Grundannahmen der Fachschule für Sozialpädagogik im KKBK  Hagen


Das pädagogische Handeln der Studierenden soll vom positiven Blick auf das Kind ausgehen. Aus diesem Grund liegt den berufsbezogenen Fächern der positive Blick auf das Kind zugrunde. Dieser Blick auf das Kind begründet sich aus dem sozialen Konstruktivismus.

(„Man könnte … sagen, dass der Sozialkonstruktivismus davon ausgeht, dass die Dinge der Welt sind wie sie sind, dass aber die Gesellschaft bestimmt, wie wir ihnen Bedeutung zuschreiben bzw. was sie für uns bedeuten, und wie wir ihnen gegenüber handeln.“ Aus: http://www.wer-weiss-was.de/theme47/article3567030.html

„1. Das aktive und kompetente Kind

Das Kind ist von der ersten Lebensminute an bestrebt, sich seine Wirklichkeit aus eigener Initiative und mit eigenen Mitteln anzueignen, mit seiner Umwelt in Kontakt zu treten und Erfahrungen zu sammeln. Jedes Kind wird mit einer phylogenetischen, d.h. über die Menschheitsgeschichte hinweg erworbenen Ausstattung geboren, die es ihm ermöglicht, Anteil an den Geschehnissen in seiner Umwelt zu nehmen und aktiv auf sie einzuwirken. Sie hilft ihm, Signale wahrzunehmen, diese zu strukturieren, ihnen Bedeutungen zuzuweisen und zu reagieren. Schon im Mutterleib und dann unmittelbar nach der Geburt eignet sich das Kind die Welt aus eigener Initiative und mit eigenen Mitteln an. In Form von Spiel und Exploration und angetrieben von Forschergeist und Neugierde tritt es mit ihr in Kontakt und sammelt Erfahrungen, die zu einem breiten und flexiblen Verhaltensrepertoire führen. Das Kind verfügt über differenzierte Wahrnehmungsfähigkeiten und miteinander verknüpfte sinnliche, emotionale und kognitive Zugänge zu Weltphänomenen. Diese möchte es ausbauen und weiter entwickeln. Das Kind verleiht seinen Erkenntnissen und Empfindungen, seinen Beziehungen zur gegenständlichen Welt und zu anderen Menschen in vielfältiger und individueller Weise Ausdruck. Es verfügt über ein Repertoire an Anpassungsreaktionen und Bewältigungsstrategien angesichts von Übergangs-, Belastungs- und Risikosituationen.

2. Das lernende und konstruierende Kind

Kinder sind Subjekte ihres eigenen Bildungsprozesses, die in der Auseinandersetzung mit der Umwelt Sinn und Bedeutung suchen. Kinder lernen, indem sie ihr bisheriges Wissen durch neue Erfahrungen differenzieren und erweitern. Erfahren können sie nur, was sie mit ihren eigenen Handlungsweisen und Mitteln erfasst haben. Jedes Kind verarbeitet Wahrnehmungen, Erfahrungen und Empfindungen und eigene Handlungen in je individueller Weise. Durch ein beständiges In-Beziehung-Setzen des eigenen Körpers und seiner Wahrnehmungs- und Ausdrucksmöglichkeiten mit der sozialen und materiellen Umwelt sucht es nach Mustern, entwickelt Erwartungen und überprüft diese. So konstruiert jedes Kind in individueller Weise Wissen über die Welt und damit untrennbar auch ein Bild von sich selbst und ein Bewusstsein der eigenen Persönlichkeit. In einem Prozess von Differenzierung und Integration modifiziert sich so kontinuierlich das kindliche Selbst- und Weltbild.

3. Das soziale Kind

Jedes Kind ist ein soziales Wesen, das mit anderen Menschen in Kontakt tritt, Beziehungen sucht und benötigt. Im sozialen Austausch und durch die Fürsorge seiner engsten Bezugspersonen entwickelt es tiefgehende Bindungsbeziehungen, die eine bedeutsame Basis für sein eigenaktives Welterkunden darstellen und deren Qualität die kindliche Selbst- und Weltkonstruktion erheblich beeinflusst. In Kooperation und Auseinandersetzung mit anderen entwickelt das Kind sich in einem ko-konstruktiven Prozess weiter. Kinder und Erwachsene sind gleichermaßen Ko-Konstrukteure von Lern- und Bildungsprozessen. In der Interaktion mit anderen wachsen Kinder an angemessenen Herausforderungen und an der „Zumutung“ von Themen.

Gleichzeitig spiegeln die Reaktionen der Interaktionspartner auf die Handlungen und Äußerungen des Kindes diesem, wie und wer es selber ist. Das Kind integriert diese Erfahrungen in die Entwicklung seines Selbstbildes und in die Konstruktion der eigenen Identität. Für die Entwicklung ihrer Selbstbildungsprozesse benötigen Kinder daher ein Lebensumfeld, dass einerseits ihren Autonomiebestrebungen "Raum" gibt, ihnen andererseits aber auch genügend Sicherheit, Schutz und Unterstützung bietet, damit sie ihre persönlichen Fragestellungen herausfinden und Lösungsversuche ohne direktes Risiko ausprobieren können. Kinder benötigen für ihre (Selbst-) Entwicklung sichere Bindungen und Halt gebende Bezugspersonen.

4. Die Würde des Kindes

Jedes Kind hat ungeachtet seines Geschlechts, seiner Herkunft, Religion, Lebensweise, seines Alters und Entwicklungsstandes das Recht, in seiner Individualität ernst genommen und wertgeschätzt zu werden. Es hat – im Anschluss an die UN-Kinderrechtskonvention – ein Recht auf Selbstbestimmung und freie Meinungsäußerung und auf Gewährleistung seiner körperlichen und geistigen Gesundheit. Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung, die darauf gerichtet sein muss, das Kind in der Entwicklung seiner kognitiven, körperlichen, sozialen und emotionalen Möglichkeiten und Begabungen so zu unterstützen, dass es sich als Persönlichkeit entfalten, seine Fähigkeiten kreativ einsetzen und sich zunehmend selbst organisiert in der pluralisierten Welt orientieren kann. Individuelle Unterschiede der Kinder stellen dabei eine Chance dar, von- und miteinander zu lernen und einen Grundstein für ein friedliches Miteinander in der Zukunft zu legen. Gerade um die Chancengleichheit für alle Kinder zu gewährleisten, ist die Verschiedenheit von Kindern als Bildungspotential zu verstehen.Kinder mit Benachteiligungen oder Behinderungen bedürfen einer besonderen (Be-)Achtung, Zuwendung und Unterstützung zur Förderung ihrer Entwicklungsprozesse. Auf der Grundlage, dass Individuen sich nicht nur in gesellschaftliche Gegebenheiten einfügen sollen, sondern befähigt werden müssen, diese zu gestalten und zu verändern, erhält die Lebensphase der Kindheit eine eigenständige Bedeutung: Kinder sollen im jeweiligen gesellschaftlichen Kontext mit ihren Bedürfnissen und Entwicklungserfordernissen in besonderer Weise geachtet und in den Vordergrund gestellt werden; Alltag und Kultur von Kindheit sollen so in den Mittelpunkt des Interesses rücken.

Aus:  http://www.profis-in-kitas.de/innovationswerkstatt/qualifikationen/bild-vom-kind Gremium der Bosch Stiftung