KKBK - Grundannahmen Teil 4

Theoretische Grundannahmen der Fachschule für Sozialpädagogik im KKBK  Hagen 


Schlussfolgernd unsere Auswahl der Pädagogiken :
1.)
Die Reggio Pädagogik ( insbesondere in Abgrenzung zu Defizit orientierterpädagogischer Arbeit)

„Dieses Konzept grenzt sich nach zwei Seiten ab; zum einen gegen eine Pädagogik, die sich lediglich an wünschbaren individuellen, sozialen oder gesellschaftlichen Zielen orientiert. Von einer "Laissez-Faire-Pädagogik" unterscheidet es sich andererseits durch die bewusste Aufmerksamkeit, die sie den Kindern und ihrer Eigentätigkeit schenkt, sowie die Hilfe, das Verständnis, die geeigneten Materialien und weiterführenden Ideen, die zur Unterstützung der kindlichen Tätigkeiten zur Verfügung gestellt werden und die stetigen Impulse, die Kinder zu. Doch eine "paedagogia de la partecipazione" und das Anknüpfen an den subjektiven, kindlichen Potentialen, treten in der Reggio-Pädagogik nicht als Gegensätze auf: Sie akzentuiert die kindlichen Möglichkeiten und fügt sie in ein soziales Zusammenspiel von Gleichaltrigen und Erwachsenen ein, die willens sind, diese kindliche Stimme zu vernehmen und bereit, aufzugreifen, was sie über ihre Welterfahrung mitteilen möchte. Zur individuellen Potenz tritt also soziale Resonanz hinzu. Das soziale Umfeld wird zum Rahmen, in dem die Stimme wahrgenommen wird. Damit tritt das individuelle Potenzial in einen Raum der Verständigung ein und artikuliert sich auf eine mitteilbare Weise.

6.3.2 Die hundert Sprachen der Kinder Es ist daher notwendig, auf die Sprachen der Kinder zu achten: damit sie nicht im Individuellen und letztlich Unsagbaren verbleiben, sondern, damit der kindliche Wunsch, sein Interesse, seine Neugier und sein Klärungsbedürfnis aus dem individuellen (unsprachlichen) Erleben heraustreten und in diesen Prozess zwischenmenschlicher Verständigung eingehen können. Dieser Raum wird nicht nur benötigt, dass die Stimme der Kinder verstanden werden kann. Er ist auch Voraussetzung dafür, dass die Mitwelt in die Klärungen des kindlichen Weltbildes und seines Erlebens differenzierend hineinreichen können. Die Sprachen der Kinder sind also keine expressiven Mittel, keine "Ausdrucksmittel", die dem Kind erlauben, sein emotionales Verhältnis zu Menschen, Tieren, Pflanzen, Dingen "aus-zu-drücken", sondern sind Werkzeuge, mit deren Hilfe sich kindliche Erfahrung und Weltinteresse artikulieren. Wo sich Interesse und Erfahrung nicht aus eigenen Wahrnehmungen heraus strukturieren und gestalten lassen, verfällt man der pädagogischen Versuchung, sie in die Kinder hinein zu erklären. Es nützt jedoch nicht als pädagogische Gesamtstrategie, wenn dem Kind auf der anderen Seite, die Wahrnehmung der eigenen Interessen oder Problemlagen fehlt oder schwergemacht wird. Klären, verständlich machen treffen nur auf einen fruchtbaren Boden, wenn sie auf eine Frage antworten, welche vom Kind ausgeht. Fragen, die Kinder stellen, ergeben sich jedoch nur aus dem, was sie in ihrem eigenen Umgang wahrgenommen haben. Dies hat zur Folge, dass sie nicht nur ihr Wahrnehmungsvermögen entwickeln und stärken, sondern auch das, was sie erfahren haben, was sie dabei an Fragen bewegt, zur Sprache bringen können. Dies bedingt ferner, dass es anderer Menschen bedarf, die ihr Sprechen und ihr Fragen hören und darauf aus dem Fundus ihrer eigenen, mehr oder weniger geklärten Erfahrung heraus eine Antwort geben können.“…

„6.7.4 Kindliches Lernen unterstützen statt lehren Aufgabe eines Erziehers ist es nicht, Kinder zu belehren und ihnen einen fertigen Lehrstoff nahezubringen. Sie bei ihren Erfahrungen zu begleiten verlangt mehreres: zum einen, Möglichkeiten zur Erfahrung für Kinder schaffen, zum zweiten, sie zu immer wieder variierenden Erfahrungsfassetten herauszufordern und, drittens, ihnen ein Dialogpartner für die Ordnung ihrer Erfahrungswelt zu sein, ohne ihre Einsichten umstandslos durch die eigenen, "besseren" Einsichten ersetzen zu wollen.“ …“6.7.7 Es geht um die Qualität von Lernprozessen, nicht (nur) um Resultate. Bei Projekten und Aufgaben werden von den Kindern keine speziellen Lernergebnisse erwartet. So steht nicht das Endprodukt eines Projektes, also die fertige Zeichnung oder Bastelarbeit, im Mittelpunkt, sondern allein die Entwicklungsschritte, die ein Kind im Laufe des Projektes durchlebt, und die Erfahrungen, die es dabei sammeln kann. Der Erzieher soll seine Aufmerksamkeit auf die kindlichen Entwicklungsschritte, anstatt auf die Produkte lenken.“ Auszüge aus einem Aufsatz über die Reggio Pädagogik von Gerd Schäfer, Uni Köln:  http://www.uni-koeln.de/ew-fak/paedagogik/fruehekindheit/texte/einfuehrung06.html