KKBK - Grundannahmen Teil 5

Theoretische Grundannahmen der Fachschule für Sozialpädagogik im KKBK  Hagen 

Schlussfolgernd unsere Auswahl der Pädagogiken :
2.)
 
Der Situationsansatz (unterstützend in Hinblick auf kindliche Beziehungen zursozialen und sachlichen Umwelt)

„Ausrichtung des Situationsansatzes

…Als Gegenentwurf zur mechanischen und von kindlichen Interessen und Erfahrungen abgekoppelten Durchführung von Beschäftigungen oder didaktischen Programmen entwickelt, geht der Situationsansatz vom Grundsatz aus, pädagogische Aktivitäten an der aktuellen Lebenssituation der Kinder auszurichten. Fördermaßnahmen, die von außen herangetragenen Leistungszielen dienen, werden verworfen und stattdessen gefordert, alle pädagogische Arbeit mit den alltäglichen Erfahrungen der Kinder zu verbinden.

Die Ziele situationsorientierter Bildungsarbeit lassen sich knapp in drei Punkten skizzieren:

Alle Tätigkeiten und Gegenstände, die in den Einrichtungen behandelt werden, sollen von der kindlichen Erfahrung ausgehen und deshalb für die Kinder einsehbar und sinnvoll sein.

Sie sollen ihnen helfen, sich in ihrer gegenwärtigen Lebenssituation zurecht zu finden und in ihr handlungsfähig zu werden.

Sie sollen darüber gleichzeitig Fähigkeiten und Kenntnisse vermittelt bekommen, die sie auch für zukünftige Anforderungen wappnet.

Der Vorzug gegenüber curricularen Verfahren, die Tätigkeiten, Stoffe und Wissensvermittlung ohne Rücksicht auf kindliche Erfahrungen vorsehen, liegt darin, dass Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wissen sich aus den Anforderungen ergeben, die ein Ereignis oder ein anstehendes Problem stellen. Die Lebensnähe spricht das Interesse und die Einsicht der Kinder an, sie können Fähigkeiten erwerben, die sie in ihrem Lebensumfeld stärken und selbstsicherer machen, und Zusammenhänge verstehen, die ihre Beobachtungen und Fragen beantworten.

Vorgehen nach dem Situationsansatz

Der Bezug auf die aktuelle Lebenssituation geht in zwei Richtungen: Gemeint sind sowohl Situationen, mit denen Kinder gerade beschäftigt sind wie auch solche, die für ihr Hineinwachsen in die Gesellschaft als wichtig betrachtet und deshalb von den Fachkräften angesprochen werden. Tätigkeiten oder Zusammenhänge, die für die Qualifizierung der Kinder für notwendig gehalten werden, werden allerdings erst dann zur Sprache gebracht, wenn sie im Erleben der Kinder, in ihren Spielen oder Gesprächen auftauchen. Die Fachkräfte beobachten die Kinder und warten ab, bis sich ein situativer Anlass findet, der die Einführung eines Themas ermöglicht. Aus den vielen in Frage kommenden Situationen wählen die Fachkräfte in der Diskussion untereinander und möglichst auch mit den Eltern, diejenigen aus, die sie als exemplarische "Schlüsselsituationen" betrachten.

Diese Situationen werden im realen Lebensumfeld erprobt und dafür angemessene Verhaltensweisen und brauchbares Wissen erworben. Zugleich wird das Spiel als wichtige Form der Auseinandersetzung mit der eigenen Lebenswelt einbezogen und Bedingungen geschaffen, die den Kindern ermöglichen, voneinander und unabhängig von den Erziehenden zu lernen.

Der ständige Bezug auf Lebenssituationen der Kinder und ein Lernen im sozialen Umfeld erfordert, dass sich die Einrichtung nach außen zu ihrer Umgebung hin öffnet, den Kindern Erfahrungen im gesellschaftlichen Umfeld ermöglicht werden und sie letzten Endes an der Gestaltung des Gemeinwesens mitzuwirken lernen.

Alle sachlichen Themen und Gegenstände werden als eingebettet in soziale Bezügen betrachtet und innerhalb sozialer Lebenssituationen behandelt.

Die vier Schritte des Situationsansatzes

Im ersten Schritt wird eine Situation aufgespürt und im Dialog mit anderen Menschen untersucht, also eine Situationsanalyse vorgenommen. Diese Untersuchung führt zu einer kleinen Theorie über die Situation. (....)

Der zweite Schritt besteht in der Überlegung, was an dieser Situation unter pädagogischen Gesichtspunkten wichtig ist, welche Anforderungen die Situation an Kinder stellt, welche Qualifikationen von Bedeutung sind, um in ihr handlungsfähig zu werden.(...) Der zweite Schritt besteht mithin in der Formulierung von Zielen: Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten sind wünschenswert? Was wollen wir erreichen? Wohin soll die Reise gehen? (...)

Im dritten Schritt sind viele pädagogische Einfälle gefragt. Durch welche Aktivitäten, durch welche Lernerfahrungen lassen sich diese Qualifikationen fördern und Kompetenzen erwerben? Wie kann man jenes forschende, entdeckende Lernen ermöglichen und Kinder anregen, Probleme, wenn's geht, selber zu lösen, Barrieren selber zu überwinden und möglichst mit Vergnügen die Welt zu erschließen? (...)

Im vierten Schritt geht es darum, Erfahrungen auszuwerten und zu überlegen, wie es weitergehen könnte. (Zimmer 2000, S. 27/28). Aus: http://www.handbuch-kindheit.uni-bremen.de/teil2_1.html#teil2_1_1